Wie Bewusstsein mein Verständnis von Unternehmertum verändert hat

Wenn ich mich heute, im November 2025, als Unternehmerin bezeichne, fühlt es sich selbstverständlich an. Es ist rund, es passt und ist für mich eine Wahrheit.

Denn ich bin Geschäftsführerin von meiner wild & wunder GmbH, gemeinsam mit meinem Mann Leitung von unserer Kanzlei – und gleichzeitig noch Autorin und Herausgeberin vom Brotzauberbuch.

Doch noch vor ein paar Monaten, Anfang dieses Jahres, war dieses Wort viel zu groß für mich, obwohl es schon immer eine gewisse Anziehung auf mich hatte. Ich war damals schon Teil einer Frauengruppe mit dem Titel „Die Unternehmerinnen“, mit denen ich mich noch immer einmal in der Woche digital treffe. Aber begriffen, was dieses Wort wirklich bedeutet und dass ich das wirklich sein könnte, hatte ich es nicht.

Ich konnte es nicht in mir fühlen, was es heißt, eine Unternehmerin zu sein.
Ich konnte es mir nicht vorstellen, was es heißt, eine Unternehmerin zu sein.
Und natürlich habe ich auch nicht als Unternehmerin gelebt.

Erst jetzt erkenne ich im Rückblick, wie viel sich in diesem Jahr in mir verschoben hat. Wie viel Reife, Klarheit und Bewusstheit entstanden sind.
Und es fühlt sich an, als wenn viele innere Steine sich endlich an ihren Platz geschoben haben.

Was ich heute über Unternehmertum denke, ist etwas völlig anderes als noch vor einem halben Jahr.
Und genau davon möchte ich dir in diesem Artikel erzählen.

Unternehmertum ist für mich kein Titel, sondern ein Reifeprozess

Ich bin nicht als Unternehmerin geboren. Und ich bin auch nicht in einer Unternehmer-Familie aufgewachsen. In meiner Familie und meinem Umfeld waren die allermeisten Erwachsenen Angestellte oder Beamte. Ich kannte Unternehmersein nicht. Ich habe es nie beobachtet, es nie gelernt und es nie als Option gesehen.

Aber das spielt eigentlich gar keine Rolle, denn heute würde ich sagen: Niemand wurde (oder wird) als Unternehmer oder Unternehmerin geboren.

Denn so, wie ich Unternehmertum heute definiere, ist es keine äußere Rolle, die man erlernen kann oder mitbekommt. Für mich ist Unternehmertum viel mehr:

Es ist ein innerer Entwicklungsweg.

Ich weiß gar nicht genau, wann mein Weg hin zur Unternehmerin eigentlich begann. Vermutlich schon im letzten Jahr, oder sogar noch eher, als ich noch selbstständig als Texterin war. Aber so richtig einen Turbo-Anschub hat mir dieses Jahr gegeben.

Denn zu Beginn des Jahres ging es für mich viel um meine berufliche Zukunft. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinen Job, weil ich mir Zeit für mein Kinderbuch und mein eigenes Unternehmen genommen hatte.
Parallel zu diesen Aufgaben durfte ich an einem mehrwöchigen Programm für die eigene berufliche Orientierung bei einer meiner inzwischen engsten Weggefährtinnen, der lieben Sandra Jost, teilnehmen. Dabei erkannte ich noch mehr, wie viel Sinn mein bisheriger beruflicher Weg macht und welche Qualitäten und Stärken ich mitbringe. Aber gleichzeitig zeigte es mir auch, wer ich eigentlich sein möchte und wie weit meine innere Entwicklung zu dieser Frau noch hinterherhinkte.

Ich kam dabei auch an einige Grenzen und Ängste, die in mir wirkten. Um dennoch voranzugehen, schaute ich mir die Blockaden in mehreren Sessions mit der wundervollen Ramona Hoppichler an. Im Rückblick kann ich sagen: In diesen Stunden wurde so einiges weggesprengt. Damals verstand ich das noch nicht als Unternehmerinnen-Arbeit.
Heute weiß ich: Genau dort, im Inneren, beginnt Unternehmertum der neuen Zeit.

Im Sommer dieses Jahres gab es dann eine entscheidende Situation in der Kanzlei meines Mannes. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur ein bisschen Bürotätigkeiten und Marketing-Unterstützung gemacht. Aber wir entschieden gemeinsam, wegen der hohen Nachfrage ein Team aufzubauen. Und es war schnell klar: Ich sollte mit ihm gemeinsam die Leitungsposition einnehmen und dabei vor allem den nicht-fachlichen Teil abdecken. Obwohl mich das anfangs überforderte, spürte ich gleichzeitig ein tiefes ‚Ja‘, das mir unerklärlich vertraut vorkam.

Ich würde sagen: Spätestens in diesem Moment begann ich damit, wirklich in die Rolle der Unternehmerin hineinzuwachsen.

Was Unternehmertum für mich heute bedeutet?

Ich sage:
Eine Unternehmerin der neuen Zeit führt nicht nur ein Business.
Sie führt sich selbst.

Eine Unternehmerin der neuen Zeit kennt ihre Muster.
Sie hat Trigger, Verletzungen aus der Kindheit und anderen Situationen reflektiert und ist auf einem Heilungsweg.
Sie kann das, was in ihr auftaucht, halten, ohne es immer wieder auf die Kunden, die Teammitglieder oder ein Projekt zu projizieren.
Sie reagiert nicht aus Angst, sondern entscheidet in Präsenz.
Sie erschafft aus innerer Klarheit.
Sie dient nicht ihren alten Wunden, sondern ihrer Vision.

Die Unternehmerin der neuen Zeit reflektiert und handelt erst dann.

Denn sie weiß:
Alles, was in ihr unbewusst lebt und wirkt, wird im Unternehmen reproduziert und sichtbar.

Die letzten Monate: Vom Tun in die bewusste Führung

Natürlich hat sich seit der Entscheidung Anfang August, ein Team aufzubauen, viel im Außen verändert. Aber für mich das Entscheidendste war und ist vor allem mein inneres Fundament.

Dabei war es definitiv nicht immer leicht. Es gab viele Situationen, die mich herausgefordert haben, mich in die Tiefen meiner Ängste und Zweifel gebracht haben und meinen Imposter hervorgeholt haben.

Aber gleichzeitig habe ich mir immer wieder erlaubt, alles zu fühlen. Das, was da hochkam, da sein zu lassen. Und es auszuhalten. Diese Momente waren nicht immer leicht, doch sie haben mich dahingebracht, meine Muster und alten Programme zu erkennen. Meine Prägungen aufzuspüren. Und meine Triggerpunkte wahrzunehmen.

Und dabei habe ich eines tief in mir drin begriffen:

Eine Unternehmerin der neuen Zeit kann nur so klar führen, wie sie sich selbst führt.

Ein Beispiel war Anfang Oktober, als in der Kanzlei neue Anwält*innen anfingen – und ich plötzlich bemerkte, dass sie mich als Chefin und Ansprechperson sahen.
Bis zu diesem Moment bin ich in solchen Situationen in die Rolle des „Kükens“ geschlüpft und hätte mich am liebsten versteckt. Innerlich hätte ich gesagt: ‚Ich bin nicht die Chefin. Ich bin nur unterstützend da.‘

Aber dann habe ich gemerkt: Sie orientieren sich an mir und sehen mich als Leitung. Ich gebe ihnen ganz intuitiv einen Raum. Und: Ich kann das.

Also habe ich begonnen, bewusst und mit Vertrauen in mich selbst in diese Haltung zu gehen, Fragen zu stellen, Klarheit zu geben, Struktur zu schaffen, anstatt mich kleinzumachen und zu versuchen, unsichtbar zu sein. Das war ein echter Shift.

Unternehmertum bedeutet, Entscheidungen zu treffen, die größer sind als ich es mir vorstellen kann

Einer der für mich wichtigsten Wendepunkte war, zu verstehen, dass eine Unternehmerin nicht einfach „nur“ Entscheidungen trifft. Sie trifft Entscheidungen, die eigentlich schon eine viel „weiter entwickelte“ Identität erfordern. Es sind Entscheidungen, die das ganze eigene System verändern, natürlich auch andere Menschen betreffen und vor allem die Zukunft erschaffen.

Und ja, das bedeutet, dass jede Entscheidung, die ich traf, plötzlich außerhalb meiner Komfortzone lag. Das war am Anfang echt hart und es kamen einige Ängste und Zweifel hoch.

Eine große Entscheidung hatte ich dieses Jahres auch bei meinem Kinderbuch „Ben und der Brotzauber“: Aus einem ‚normalen Kinderbuch‘, das ich über einen print-on-demand-Anbieter veröffentlichen wollte, wurde plötzlich eine richtige Schmuckausgabe mit Glitzer, Bonusmaterial und einem eigenen Brotzauber-Heft.

Ein so großes Projekt hätte ich früher nicht gemacht. Aber ich habe gespürt, dass das Buch größer werden will als ich es bisher denken konnte.

Diese Entscheidung hat mich weit aus meiner Komfortzone herausgeholt und gleichzeitig hat sie mir gezeigt, wie viel Mut und unternehmerische Energie in mir steckt.

Es ist immer noch so, dass bei großen Entscheidungen Ängste und Zweifel in mir hochkommen.

Einerseits spüre ich eine extreme Klarheit bei Entscheidungen. Diesen inneren Kompass habe ich in den letzten Wochen kennengelernt, und ich vertraue mehr und mehr darauf.
Andererseits gibt es oftmals noch eine zweifelnde Stimme. Aber von ihr lasse ich mich nicht abhalten. Ich höre ihr zu und nehme sie als Erinnerung, die Entscheidung wirklich gut zu prüfen.

Wie ich Entscheidungen dann treffe, wenn beides da ist?

Ich fühle.

Ich besinne mich auf meine Vision, meine Werte, meine innere Wahrheit.
Ich tausche mich aus.
Und dann überwiegt ganz oft die Klarheit, weil ich erkenne, dass der zweifelnde Anteil ein uralter, nicht genährter Anteil ist, der lieber in der alten Sicherheit bleiben würde. Aber ich weiß, dass ich da nicht weiterkomme.

Und mit dem Treffen der Entscheidung geht es dann gleichzeitig darum, diesen Anteil in mir drin zu nähren. Weil ich weiß, dass ich nur so wirklich zu meiner Entscheidung stehen kann.

Inspiration aus allem: Die Unternehmerin, die die Welt liest

Ich ziehe meine Inspirationen aus dem ganzen Leben, auch zu unternehmerischen Themen. Ich habe bisher weder ein Führungskräfteseminar noch andere Business-Fortbildungen besucht und habe im Moment auch nicht das Verlangen danach.
Denn ich erlaube ich mir, die Inspirationen aus dem Leben auf mein Sein als Unternehmerin zu übertragen.

Im ersten Moment wirkt das manchmal vielleicht unnormal oder komisch. Doch ich habe in den letzten Wochen dazu gute Erfahrungen gemacht. Ich muss kein Business-Buch lesen, um Inspirationen zu bekommen, welche Schritte als nächstes für die Kanzlei oder das Brotzauberbuch sinnvoll sind. Ich kann jedes Buch lesen, das mich fesselt und inspiriert.
In dieser Woche war es etwa ein Buch über Cyclebreaking durch bewusste Elternschaft. Dabei ist mir schon auf den ersten Seiten aufgefallen:
Es geht immer um dasselbe. Menschenführung, Bewusstsein, Präsenz, Mustererkennung, Selbstregulation.

Oder ich schaue in den Kamin und beobachte, wie das Feuer sich langsam durch den gesamten Holzscheit frisst und am Ende nur Asche übrigbleibt und verstehe, dass auch das innere Feuer Fürsorge und Nachschub braucht, um immer weiter zu brennen.

Ich verbinde Dinge, die scheinbar nicht zusammengehören. Daraus entsteht etwas Neues.
Und je mehr ich mir erlaube, genau so zu denken, desto mehr erkenne ich: Das ist nicht unkonventionell – das ist eine wichtige Qualität als Unternehmerin.

Wenn du meine wilden Inspirationen kennenlernen willst, lies gerne meine Gedanken zum Thema Marketing oder die Geschichte mit dem toten Baum.

Ich als Unternehmerin baue mehr als ein Business: Ich erschaffe ein Feld

Vor allem jetzt im November habe ich viel darüber nachgedacht, wie sich meine Webseite wandeln muss. Denn mein inneres Bild von mir hatte sich längst verändert und meine Außendarstellung hinkt noch immer hinterher. Ich bin nicht mehr nur die Autorin, die damals vor allem im Mittelpunkt stand. Irgendwie möchte ich auch das Thema Unternehmertum mit auf die Webseite bringen. Denn es ist etwas, wofür ich in den letzten Wochen und Monaten eine brennende Leidenschaft entwickelt habe.

Für mich ist Unternehmertum eng mit Bewusstsein verbunden.

Denn eine Unternehmerin liefert nicht nur, sie wirkt vor allem schon heute für unser aller morgen. Und sie erschafft immer ein Feld.

Für mich gehört innere Arbeit unweigerlich zu einem bewussten Unternehmertum dazu. Erst dann entsteht die Fähigkeit, Menschen wirklich durch das eigene Sein zu führen, ohne Machtspiele, Manipulation oder Druck. Es geht um eine Führung, die verbunden, wach, liebevoll und visionär ist, aber dennoch klar.

Und das an jedem Tag.

Und jetzt? Ich bin angekommen – und gleichzeitig erst am Anfang

Heute halte ich Räume für verschiedene Felder und Systeme. Für die Kanzlei, für meine GmbH und für das Brotzauberbuch. Sie alle fordern eine Unternehmerin in mir, die klar und bewusst führt. Und bei allen möchte ich in einer Version von mir sein, die visionär handelt, nach ihren Werten und Vorstellungen. Denn genau das fühlt sich für mich nach Unternehmertum der neuen Zeit an.

Heute nenne ich mich Unternehmerin. Nicht, weil ich ein Unternehmen habe, sondern vor allem, weil ich es fühle. Und es fühlt sich gut an, fast wie Nachhausekommen.

Gleichzeitig weiß ich: Ich stehe erst am Anfang. Wo es mal hingehen wird, weiß ich noch nicht.
Doch zum ersten Mal fühlt es sich an, als würden die inneren Steine an den richtigen Platz fallen. Als ob mein ganzes System sagt: „Ja. Jetzt passt es.“
Ich bin sehr dankbar für diesen Weg und schon voller Vorfreude für alles, was jetzt kommen wird.

Zum Schluss bin ich neugierig:
Was bedeutet für dich Unternehmertum – oder Unternehmer*in zu sein?
Welche Bilder, Gefühle oder Erfahrungen verbindest du damit?
Ich freue mich auf deine Gedanken dazu!

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