Wenn du mitten im Überfluss der Angebote steckst – und immer nach der richtigen Antwort suchst

Heute teile ich eine Beobachtung mit dir. Etwas, das ich schon sehr lange beobachte, sowohl in der „echten“ als auch in der digitalen Welt. Ich konnte es bisher nicht in Worte fassen, was ich dort wahrnehme. Doch letzte Woche fiel es mir dann auf einmal wie Schuppen von den Augen und die Worte flossen so dahin – nachdem ich eine Nachricht von einer guten Freundin bekommen hatte. Eine Co-Kreation der besonderen Art.

Es geht um das Thema Marketing. Früher gab es noch diese wunderschönen Werbeblättchen oder Plakate, die vorrangig dem Marketing gedient haben. Heute hat sich das mit Social Media etwas verändert und ist mehr in die digitale Welt gerückt.

Jetzt, gegen Jahresende, erlebe ich in meinem Umfeld eine Situation, die sich jedes Jahr so wiederholt: Überall tauchen neue Angebote von Coaches und Mentoren für das kommende Jahr auf. Eine Begleitung über einige Wochen oder Monate, um dieses oder jenes im nächsten Jahr endlich zu verändern.
Bei der Menge an Angeboten, die einen erreichen, entsteht ein subtiler Entscheidungsdruck. Dann höre ich oft von anderen, wie schwer es ist, sich zu entscheiden.
Was ist das Richtige für mich?
Ach, es ist so viel Geld. Und eigentlich will ich doch alles.

Ich spüre, dass mich solche Launches immer weniger ziehen. Ich bleibe an kaum einem Marketing-Post hängen, seitdem ich mehr und mehr auf mein Gefühl vertraue.

Und dennoch beobachte ich sehr interessiert, dass viele dieser Launch-Postings mit dem Gefühl spielen, nicht gut genug zu sein, also dem Betrachter dieses Gefühl auf einer unterschwelligen Ebene mitgeben. Das Gefühl, dass man allein nicht weiterkommt – man eben nicht gut genug ist. Und vor allem: dass dieser Mensch scheinbar genau die Lösung für das Problem (und manchmal auch das ganze Leben) besitzt.

Ich behaupte: Niemand hat die Lösung für deinen Weg

Ja, vielleicht zuckst du innerlich bei dieser Behauptung zusammen. Vielleicht glaubst du es auch nicht. Das ist vollkommen okay.

Ich habe in den letzten Jahren eines lernen müssen: Niemand kann mir die eine, für mich richtige Lösung geben.

Ich habe oft gehofft, es wäre anders. In den verschiedensten Situationen war meine größte Hoffnung, jemand anderes könnte mich retten und mir meinen Weg zeigen. Aber ich habe gelernt: diesen Märchenprinzen gibt es nicht.

Zum Beispiel in der Zeit mit meinen Unverträglichkeiten und Allergien. Damals habe ich mir jeden Tag wieder gewünscht, dass einfach jemand sagt, was mit mir los ist, was ich essen kann und was nicht und was ich tun soll, damit es endlich aufhört.
Aber so war es nicht. Jeder hat etwas anderes gesagt. Ich passte in kein Schema der Ärzte und Therapeuten hinein. Dennoch hat mir jeder seine Lösung als die Wahrheit verkauft. Geholfen hat es nur selten und meist auch nur kurz.
Schlussendlich musste ich lernen, dabei meinen ganz eigenen Weg zu finden.

Es gab viele weitere Situationen in meinem Leben, in denen ich so sehr gehofft habe, irgendwer könnte mich retten.
Heute weiß ich: das kann nur ich selbst. Andere können mir Impulse geben und mich begleiten. Aber was für mich richtig ist, weiß nur ich.

Marketing, das Wunden triggert

Gehen wir zurück zum Thema Marketing. Die meisten Launches vermitteln mir das Gefühl, dass ich das Produkt dahinter brauche, um besser oder glücklicher zu sein.
Ich weiß, so funktioniert Marketing.

Aber ich glaube: Das muss sich ändern.

Denn solange wir Menschen etwas verkaufen, indem wir ihnen subtil sagen, dass sie ohne dieses Produkt nicht genug sind, nähren wir ein uraltes Muster:

Ich bin nicht (gut) genug.
Ich brauche die Hilfe von anderen.

Und so bleiben wir abhängig. Wenn ich etwas kaufe, weil ich mich ohne das Produkt nicht wertvoll fühle, kann ich in mir nie das echte Gefühl von „Ich bin genug“ finden. Und dann kaufe ich wieder und wieder. Es ist ein uraltes Suchtverhalten, das so viele Menschen in sich tragen. Um den Schmerz nicht fühlen zu müssen, wird immer wieder gekauft.

Räume, die keine echte Entfaltung zulassen

Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass viele dieser Angebote gar keinen Raum für eine echte Entfaltung von jedem individuellen Menschen bieten.
Oft geht es vorrangig darum, das Produkt zu verkaufen und dann das eigene Wissen zu teilen. Aber davon nur so viel, dass man danach noch gut weiterverkaufen kann.
Der subtile Unterton bleibt:
Du bist noch nicht so weit.
Du brauchst noch mehr.
Du musst weitermachen.

Damit entsteht eine merkwürdige Dynamik: Der Verkäufer ist immer überlegen, die Kunden bleiben klein.

Das im Bereich der Spiritualität und Persönlichkeitsentwicklung zu beobachten, irritiert mich besonders. Gerade dort, wo man meint, dass Menschen sich wirklich mit ihrem Inneren auseinandersetzen, finde ich oft die gleichen alten Launch-Muster wie überall sonst.

Neue Räume

Ich nehme aus den Beobachtungen etwas sehr Grundlegendes mit: Es geht heute so viel mehr darum, wirklich den ureigenen Weg zu gehen.

Und ich glaube, dafür braucht es andere Arten von Angeboten:
Räume, in denen Menschen ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Erfahrungen teilen können.
Räume, in denen man einfach sein darf und in denen Verbindung entsteht, nicht von oben nach unten, sondern von Mensch zu Mensch.

Denn ich glaube zutiefst:
Begleitung kann unglaublich wertvoll sein.
Wir müssen nicht alles allein schaffen.
Wir müssen uns nicht durch alles durchkämpfen.
Wir dürfen uns tragen lassen, spiegeln lassen, stützen lassen.

Aber – und das ist der entscheidende Punkt – die Form der Begleitung macht den Unterschied.

Es braucht Räume, in denen das Wachstum von jedem einzelnen Menschen im Mittelpunkt steht. In denen die Menschen nicht klein gehalten werden, nur damit nach dem Kurs weiterverkauft werden kann.
Und vor allem: In denen es nicht darum geht, dass jemand „es besser weiß“, sondern darum, dass die eigene, individuelle Wahrheit für jeden spürbar wird und ein Leben mit diesem Kompass gelebt werden kann.
Es ist eine Begleitung, die stärkt statt verunsichert.

Wahre Begleitung ist kein Machtgefälle. Sie ist ein Miteinander.
Ein Raum, der sich weitet und nicht verengt.
Ein Ort, an dem ich mehr ich selbst werden kann.

Ich glaube zutiefst: Wenn wir ehrlich miteinander in Kontakt gehen und es ein echtes Geben und Nehmen gibt, entsteht eine neue Dimension von Wachstum.
Zuerst im Inneren. Und dann im Außen.

Marketing darf (oder muss) menschlicher werden

Damit solche Räume möglich sind, müsste aber jeder Anbieter erst einmal bei sich selbst anfangen. Und auch bei den Marketing-Glaubenssätzen, die wir überall übernehmen.

Wer sagt denn, dass man Produkte so launchen muss wie es alle tun?

Ja, wenn man sich mit der Psychologie beschäftigt hat, erkennt man schnell, dass klassische Launches in großen Teilen das Unterbewusstsein manipulieren. Am Ende entscheiden wir oft gar nicht bewusst, die Entscheidung wurde längst getroffen.

Wie genau eine neue Form von Marketing aussehen könnte, ist in der aktuellen lauten Welt kaum vorstellbar. Es ist still. Die Angebote sind einfach da – und die richtigen Menschen werden kommen.

Dafür müssen wir wohl alle lernen, hinter die Bilder und Texte zu fühlen.
Zu spüren, ob ein Mensch echt ist und sein Angebot aus der eigenen Tiefe kommt.
Ob er oder sie es wirklich ernst meint.

Und ich glaube, dass genau hier der Wandel beginnt.
Nicht mit dem perfekten Marketing-Konzept, sondern mit Menschen, die bereit sind, anders zu sein.

Ehrlicher.
Präsenter.
Verbundener.

Es geht nicht mehr darum, noch lauter zu werden. Sondern wahrhaftiger.

Und so entsteht ein neues Marketing:
Eines, das nicht drückt, sondern einlädt.
Nicht manipuliert, sondern ermöglicht.
Nicht kleinmacht, sondern erinnert:

Du bist genug.
Und alles, was du brauchst, trägst du bereits in dir.

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